Warum es für Unternehmen so wichtig ist, ihre Fachkräfte selbst auszubilden
Deutschlandweit suchen Unternehmen händeringend nach neuem Personal. Rund 84 Prozent der Betriebe sind vom Fachkräftemangel betroffen – und das branchenübergreifend.
Das geht aus einer 2025 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Laut dieser bezweifeln inzwischen zwei von drei Betrieben, dass sie zukünftig ausreichend qualifizierte Mitarbeiter gewinnen können.
Dabei scheint die Lösung auf der Hand zu liegen: Unternehmen könnten ihre Arbeitnehmer selbst ausbilden und dadurch für den benötigten Nachwuchs sorgen.
Dass dies zahlreiche Vorteile mit sich bringt, beleuchten die folgenden Zeilen.
Mehr als 36 Prozent der Unternehmen in Deutschland werden auch 2026 einen Teil ihrer offenen Stellen voraussichtlich nicht besetzen können. Das zumindest besagt der „Fachkräftereport 2025/2026“, den die Deutsche Industrie- und Handelskammer im Dezember 2025 veröffentlichte.
Dabei fehlen nicht nur im Gesundheitswesen zahlreiche Fachkräfte. Laut des Instituts der Deutschen Wirtschaft gehören auch das Baugewerbe, die öffentliche Verwaltung und die Industrie zu den Branchen, die aktuell und zukünftig besonders unter dem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern zu leiden haben.
Eine Möglichkeit, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, kann darin bestehen, Arbeitskräfte innerbetrieblich auszubilden.
Aus- und Weiterbildungschancen bilden dabei nicht nur die Basis für den Gewinn neuer Fachkräfte. Sie können gleichzeitig die Attraktivität eines Betriebs als Arbeitgeber erhöhen – und dadurch auch die Bindung zu den bereits bestehenden Mitarbeitern.
Wie Auszubildende die Produktivität im Unternehmen erhöhen
Damit die Ausbildung neuer Fachkräfte funktioniert, sind geschulte Ausbilder in einem Unternehmen ein essenzieller Faktor.
So sollten Kurs- oder Teamleiter zumindest über das Basiswissen in der Erwachsenenbildung verfügen. Denn oft reicht das reine Fachwissen nicht aus, um es Auszubildenden strukturiert und sinnvoll zu vermitteln. Stattdessen sollten Ausbilder wissen, wie sie ihren Unterricht planen und sicher durchführen. Ein Zertifikat, das solche Kenntnisse und Fähigkeiten auszeichnet, ist etwa das SVEB 1, ein anerkannter Basis-Abschluss in der Erwachsenenbildung.
Denn basiert die innerbetriebliche Ausbildung auf Professionalität, Klarheit und Struktur, profitiert das Unternehmen im Anschluss von sofort einsatzfähigen Fachkräften mit allen erforderlichen Qualifikationen für ihren jeweiligen Aufgabenbereich.
Mehr noch: Wer direkt innerhalb einer Firma seinen Berufsabschluss macht, verinnerlicht neben den beruflich erforderlichen Fähigkeiten auch die Unternehmensphilosophie. Dadurch integrieren sich Mitarbeiter nach einer innerbetrieblichen Ausbildung besonders leicht in bestehende Unternehmensprozesse.
Ressourcenbindende Einarbeitungszeiten entfallen ebenso wie das Risiko fester Verhaltensmuster aus einer vorherigen Anstellung, die sich in Arbeitsabläufen als störend erweisen könnten.
Zudem sinkt das Risiko für Fehlbesetzungen und einen daraus resultierenden Personalwechsel, der Kosten für eine Neuanstellung nach sich ziehen kann.
Auszubildende als wertvolles Humankapital einer Firma
Nicht nur, dass im Unternehmen ausgebildete Fachkräfte Abläufe innerhalb eines Betriebs schneller adaptieren. Hinterlässt die Ausbildung bei ihnen einen positiven Eindruck, steigt gleichzeitig das Commitment zur jeweiligen Firma.
Daraus wiederum ergeben sich Verhaltensweisen, die zur Unternehmensproduktivität beitragen können. Denn Mitarbeiter mit einem hohen Commitment:
- sind besonders loyal und interessieren sich für ein langfristiges Arbeitsverhältnis
- arbeiten besonders motiviert
- priorisieren die Unternehmensinteressen oft gegenüber den persönlichen
- identifizieren sich verstärkt mit den Unternehmenswerten
Aufgrund dieser Verhaltensweisen sind Arbeitnehmer mit einem hohen Commitment für einen Betrieb besonders attraktiv und wertvoll. Daher werden sie auch als Humankapital bezeichnet.
Unternehmen, die selbst eine Ausbildung anbieten, können sich folglich qualifizierte und treue Fachkräfte „heranziehen“. Dementsprechend gelingt es ihnen, ihren Personalbedarf selbst zu decken. Sie sind weniger von den Entwicklungen auf dem externen Arbeitsmarkt abhängig.

